Geschichte der Seil- und Hochseilgärten
"Der Berg ruft" und zieht immer wieder Menschen in seinen Bann.
Klettern und Berge sind dem Mythos nahe und üben auf Menschen eine fast magische Anziehungskraft aus. Innerhalb der Geschichte des Kletterns hat in der jüngsten Vergangenheit das Klettern in Seil- und Hochseilgärten eine herausragende Bedeutung erlangt.
Die immer größer werdende Zahl der Seil- und Hochseilgärten in Deutschland öffnet einem breiten Publikum den Klettersport. Die Anfänge des Kletterns in Ropes-Courses (RCs) liegen in Frankreich, dem Land in Europa, in dem es heute mit über 600 Anlagen landesweit wohl die meisten Seil- und Hochseilgärten in Europa gibt.
1875 hat Hebert die ersten Seilaufbauten errichtet, die der körperlichen Ertüchtigung dienten Während des 2. Weltkrieges nutzte das britische Militär Parcours mit Seilelementen, um seine Soldaten zu trainieren. Der deutsche Pädagoge Kurt Hahn lebte zur damaligen Zeit in Großbritannien im Exil und betreute die britische Marine beim Überlebenstraining. Teamwork zählte zu den wichtigsten Aspekten seines pädagogisch ausgerichteten Trainings. Hahn gründete die Outward Bound Schulen und reformierte durch Bildung und Erziehung in der Natur das damalige pädagogische System.
Eine stärkere Einbeziehung der Schüler in die Gestaltung des Unterrichts unterscheidet seinen Ansatz von Bildung vom lehrerzentrierten Unterrichtsmodell. Seit 1941 ist der Einsatz von RCs in Schulen belegt. In den USA fanden seit den 60er Jahren Outdoorseminare eine immer größere Beachtung und Seil- und Hochseilgärten hatten dabei einen festen Platz als Übungselemente. Die Bedeutung von RCs für soziale Lernprozesse wurde bereits 1971 so hoch eingeschätzt, dass RCs an Schulen erbaut und im Sportunterricht eingesetzt wurden. Die Ausführung der Übungen ging schon damals mit Reflexion und Transfer in den Alltag einher.
Verschiedenste Verbände wurden gegründet und entwickelten Programme zur Unterstützung sozialpädagogischer Arbeit und der Organisationsentwicklung. Erfahrungs- und handlungsorientiertes Lernen kennzeichnen die Stärken des Trainings in Seil- und Hochseilgärten. Klassische Seilgärten sind Anlaufstationen für Schulen, aber für Unternehmen und Firmen, die Ihre Fort- und Weiterbildungsseminare hier gewinnbringend unterstützen.
Der jüngste Sproß im Bereich der Seilgärten sind die "Adventureparks", die einen breiten Publikum Kletterspaß als Freizeitvergnügen anbieten. Dem Bedürfnis nach großer Naturnähe wird dadurch Rechnung getragen, dass Seil- Und Hochseilgarten heute immer öfter als Waldseilgarten errichtet werden. Die in den letzten Jahren rasant gestiegene Zahl von Kletterparks zur Freizeitgestaltung birgt durch die hohe Zahl der Kletterer zwangläufig ein hohes Sicherheitsrisiko. Die seit 1998 bestehende European Ropes-Course Association versucht einen Sicherheitsstandard zum Bau und zur Betreibung von Seil- und Hochseilgärten zu etablieren und zu gewährleisten. RCs bilden in hohem Maße eine Symbiose von Freizeitvergnügen und "Lernen fürs Leben".
Klettern bringt Menschen nicht nur zum Gipfel sondern oft auch zu sich selbst.



